 Platzt Ihr Urlaub?
Die Reisebranche ist in Not: Gewinneinbrüche, hohe Schulden, Stellenabbau. Ob American Airlines oder Lufthansa, alle kämpfen aktuell ums Überleben. Der Terroranschlag in den USA hat der schon im Vorfeld schwankenden Branche erneut stark zugesetzt.
Neben den Fakten um die Swissair-Pleite kursieren auch wilde Spekulationen um angeschlagene Konzerne. So soll United Airlines, die zweitgrößte Fluggesellschaft der USA, kurz vor der Pleite stehen. Auch die deutsche LTU befinde sich unmittelbar vor dem Aus, wie die "Financial Times Deutschland" berichtete. Die Zahlungsfähigkeit soll hier nur noch bis Mitte November reichen, heißt es weiter.
So steht es um Ihren Urlaub
Die Konzernleitung von LTU beriet mit den Tarifpartnern über einen möglichen Gehaltsverzicht der Beschäftigten. Der LTU-Sprecher räumte ein, dass die Finanzlage von LTU "nicht unangespannt" sei. Das Unternehmen befinde sich derzeit aber in Gesprächen, die bis Ende dieser oder Anfang kommender Woche abgeschlossen sein sollten. Sorgen bereitet LTU vor allem, dass der Anteilseigner Rewe keine zusätzlichen Hilfen in Aussicht stellt. "Rewe hat sich nicht über das bisherige Maß beteiligt und wird dies auch nicht tun", sagte Unternehmenschef Hans Reischl der "FTD". Die Kölner Handels- und Tourismusgruppe hält 40 Prozent an der Ferienflug-Gesellschaft. LTU-Sprecher de la Motte sagte, mit Rewe rechne LTU bei den derzeitigen Gesprächen nicht mehr.
Vater Staat die letzte Rettung?
Reischl hält laut "FTD" zur Rettung des angeschlagenen Unternehmens eine Bürgschaft des Landes Nordrhein-Westfalen in Höhe von 300 Millionen Mark (153,39 Millionen Mark) für notwendig, um die rund 2.300 Arbeitsplätze zu sichern. Ein Sprecher des nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministeriums sagte, bei der EU-Kommission, die eine Bürgschaft genehmigen müsste, sei das Vorhaben bei Gesprächen in der vergangenen Woche auf ein "positives Echo" gestoßen. Schon 1999 griff der Staat dem wankenden Holzmann-Konzern mit ebenfalls knapp 300 Millionen Mark Darlehen und Bürgschaft unter die Arme, um den drohenden Job-Verlust von rund 17.000 Holzmann Beschäftigten und rund 40.000 Zulieferern zu verhindern.
Swissair-Pleite der Auslöser
Die LTU ist vor allem durch die Pleite der Swissair in eine schwere Krise geraten, da die Schweizer Airline mit 49,9 Prozent Hauptanteilseignerin an der Fluggesellschaft ist und eigentlich zugesagte Zahlungen nun nicht mehr leisten kann. Die Konzernspitze nahm Gespräche mit dem Personal über einen Gehaltsverzicht zwischen 5 und 10 Prozent auf. Dadurch will das Unternehmen in den kommenden drei Jahren jährlich 50 Millionen Mark (25,56 Millionen Euro) sparen. Bei den Sachkosten will das Unternehmen bis 2004 zudem weitere 200 Millionen Mark sparen.
Ob das Unternehmen LTU in der aktuellen Konstellation eine Zukunft hat, oder welche Veränderungen den Mitarbeitern des Ferienfliegers ins Haus stehen, soll am kommenden Freitag entschieden werden. Dann setzen sich Banken, Regierung und LTU an einen Tisch, um über die weiteren Schritte zu beraten.
Quellen: AFP, Divers
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