 "Bushs Verhalten phantastisch"
Bundeskanzler Gerhard Schröder hat US-Präsident George W. Bush für seinen Umgang mit der Terror-Krise gelobt. Er habe großen Respekt für die "phantastische" Art und Weise, in der Bush und seine Regierung die Herausforderungen nach den Anschlägen vom 11. September bewältigt hätten, sagte der SPD-Politiker in einem am Donnerstagabend (Ortszeit) ausgestrahlten Interview für die populäre Talkshow "Larry King Live" des US-Fernsehsenders CNN.
Er könne Bush nur dazu beglückwünschen, wie er und das Land mit der "schrecklichen Situation" umgegangen seien, wie sie sich den Problemen gestellt und eine "globale Allianz" gegen den Terrorismus aufgebaut hätten. Es gebe keinen Grund für "irgendeine Kritik", unterstrich Schröder in dem vorab aufgezeichneten und simultan ins Englische übersetzte Interview.
Die USA hätten in ihrem Kampf gegen den Terrorismus die volle und feste Unterstützung Deutschlands und der Nato. Über die am Donnerstag von den Verbündeten beschlossenen Maßnahmen hinaus liege es an der US-Regierung zu sagen, "womit wir helfen können, und wenn wir die Fähigkeit dazu haben, das zu tun, werden wir an ihrer Seite stehen".
Schröders Report über bin Laden
Schröder hat den Partei- und Fraktionschefs inzwischen Erkenntnisse vorgelegt, die auf eine Verantwortung Osama bin Ladens für die Anschläge in den USA schließen lassen. Es gebe eine "Kette von Indizien", die dies belegten, sagte Grünen-Chef Fritz Kuhn nach dem Treffen von Regierungs- und Oppositionspolitikern mit Schröder im Kanzleramt am Donnerstagabend. Nach Angaben der Vorsitzenden von CDU und FDP, Angela Merkel und Guido Westerwelle, gibt es auch Erkenntnisse deutscher Nachrichtendienste, die in diese Richtung führten. Mit Hinweis auf die Vertraulichkeit der Unterredung wollten sie Näheres dazu nicht mitteilen.
Merkel und Westerwelle kritisierten Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) wegen dessen öffentlicher Äußerung, eine Entscheidung über den Einsatz deutscher Soldaten in Afghanistan werde "nicht mehr lange dauern". Merkel sagte, diese Einschätzung habe erhebliche Irritationen ausgelöst. Westerwelle sprach von einem "nicht akzetablen Vorgang".
Deutsche Soldaten an Terror-Front?
Scharping war am Donnerstag davon ausgegangen, dass es bei einem Vergeltungsschlag der USA schnellen Handlungsbedarf für die Bundeswehr geben kann. Wie der Bundesverteidigungsminister (SPD) der "Bild" sagte, erwägt die Bundesregierung bei ihrer Unterstützung im Kampf gegen den Terror, Soldaten "an Bord von Awacs-Flugzeugen oder auf Schiffen" bereitzustellen. Er ging davon aus, dass es möglicherweise schon rasch zu einer entsprechenden deutschen Beteiligung an US-Militärschlägen gegen den Terrorismus kommt.
Scharping weiter: "Dafür benötigen wir dann einen Beschluss des Bundestages." Die Bundeswehr sei auf jeden Fall in der Lage, "im Kampf gegen den Terror einen angemessenen Beitrag zu leisten". Scharping betonte: "Deshalb wird es auch keine Tauschgeschäfte nach dem Motto 'Scheckbuch statt Soldaten' geben."
Militäreinsatz rückt offenbar näher
Der britische Premierminister Tony Blair bezeichnete am Donnerstag in einer Sondersitzung des Unterhauses Osama bin Laden als eindeutigen Drahtzieher der Anschläge. Er kündigte an, den Abgeordneten Unterlagen vorzulegen, die die Beteiligung bin Ladens an den Anschlägen belegten. Zudem gebe es noch eindeutigere Hinweise, die jedoch aus Sicherheitsgründen geheim bleiben müssten.
Blair gelobte, alles zu unternehmen, um bin Laden zur Verantwortung zu ziehen. Nun nahe die schwierige Zeit des Handelns. Die Taliban-Miliz forderte er erneut auf, bin Laden auszuliefern und die Ausbildungslager für Terroristen zu schließen. Andernfalls würden auch sie als Feinde betrachtet.
Militärschlag von Usbekistan aus?
US-Vorauskommandos haben in den vergangenen zehn Tagen in Usbekistan den Einsatz amerikanischer Truppen vorbereitet. Nach inoffiziellen Angaben aus usbekischen Sicherheitskreisen vom Mittwoch haben die Fallschirmjägerkommandos an der Grenze zu Afghanistan Peilsender aufgebaut, um US-Flugzeugen eine Orientierung bei erwarteten Angriffen gegen die Taliban-Milizen zu geben.
Außerdem bestückten die Amerikaner usbekische Armeeflugplätze mit der notwendigen Elektronik für Notlandungen von Jets, die nicht zu den Flugzeugträgern im Persischen Golf zurückkehren können. Die Führung in Taschkent bestätigte die Berichte offiziell nicht.
Nach Angaben des Pentagons haben die USA auch mit der Verlegung eines verstärkten Bataillons der 10. Gebirgsdivision nach Usbekistan und dem Nachbarstaat Tadschikistan begonnen, schrieb die "Washington Post". 1000 Gebirgsjäger seien in die afghanische Grenzregion beordert worden.
Taliban im eigenen Land unter Druck
Das im Kampf gegen den Terrorismus eingekreiste Taliban-Regime gerät auch im Inneren zunehmend unter Druck. Die Nordallianz meldete nach Kämpfen im Norden und Westen des Landes sowie nahe der Hauptstadt Kabul nun auch Gefechte in der zentralen Provinz Ghor.
Die Opposition berichtete außerdem von zahlreichen Überläufern. Die Taliban hatten bei ihrem Vormarsch in Afghanistan seit 1994 große Gebiete kampflos eingenommen, indem sie örtliche Milizenführer in ihre Reihen holten. Nach Ansicht von Beobachtern wechseln diese Milizen nun wieder die Seiten.
"Einheimische werden ihn verraten"
Bin Laden hat Experten zufolge kaum eine Chance, im Falle eines Militärschlags zu entkommen. "Früher oder später wird er verraten", sagte Andreas Rieck vom Deutschen Orient-Institut in Hamburg den "Lübecker Nachrichten" vom Mittwoch. Bin Laden bewege sich mit großem Gefolge, mit an die hundert Leibwächtern. "Irgendwelche Einheimischem werden ihn sehen und verraten, und dann wird er aufgespürt."
(Quelle:focus)
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