 Rindfleisch-Lieferung an Nordkorea sinnvoll
Im Gegensatz zu den Bedenken deutscher Politker halten Entwicklungshilfe-Experten die Lieferung von BSE-getestetem Rindfleisch nach Nordkorea für sinnvoll. Der Nordkorea-Beauftragte des UN-Welternährungsprogramms (WFP), Francis Mwanza, sagte dem stern: „Wenn die Regierungen in Berlin und Pjöngjang zustimmen, kann das problemlos laufen. Wir liefern ja vor allem deshalb Getreide, weil es billiger ist."
Auch der deutsche Arzt Oliver Mohr, der jahrelang in Nordkorea gearbeitet hat, befürwortet die Rindfleischlieferung: „Das macht Sinn, weil die Menschen Fett und Proteine für ihr Immunsystem brauchen."
Nach einer Analyse der UN-Nahrungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) liegt die Versorgung der nordkoreanischen Bevölkerung mit Protein und fettreicher Zusatznahrung „deutlich" unter dem Bedarf. Die nordkoreanische Regierung hatte in der vergangen Woche bei der Landwirtschaftsministerin Renate Künast um die Lieferung von 200.000 Rindern aus der geplanten Massenschlachtung gebeten. Der stern hat recherchiert, wie 40.000 Tonnen Rindfleich - das entspricht dem Fleischertrag der 200.000 Tiere - in Deutschland verarbeitet und nach Nordkorea transportiert werden könnten und was diese humanitäre Aktion kosten würde. Alle befragten Experten sind sich einig, dass das Rindfleisch vor dem Transport in Dosen konserviert werden müsste. Nach Berechnung des Bundesverbandes der Fleischwarenindustrie könnten 3000 Tonnen pro Woche eingedost werden. Für 40.000 Tonnen entstünden dabei Kosten von 64 bis 76 Millionen Mark. Von den Verarbeitungsbetrieben in West- und Norddeutschland könnten die Dosen auf Paletten per LKW zu den Häfen in Hamburg, Antwerpen oder Rotterdam gebracht werden. Für diesen Transport wären rund zwei Millionen Mark fällig. Von drei Hamburger Speditionen hat der stern Angebote für die sechs- bis achtwöchige Fracht nach Nordkorea eingeholt. Der gesamte Transport würde maximal 15 Millionen Mark kosten. Alles in allem sind - kalkuliert nach Marktpreisen - zur Realisierung dieser humanitären Hilfsmaßnahme rund 105 Millionen Mark notwendig.
Allein die Vernichtung von 200000 Rindern würde nach stern-Recherchen 80 Millionen Mark kosten - das wären 25 Millionen Mark weniger als die Lieferung des Fleisches nach Nordkorea kosten würde.(Quelle:Stern)
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