 Mauer spaltet immer noch
Auch zwölf Jahre nach dem Mauerfall erhitzt das Bauwerk die Gemüter: Zum 40. Jahrestag der Errichtung warnte die CDU die SPD davor, in Berlin mit der PDS zu koalieren. Die heutigen Bewertungen der PDS – und die kämen vor allem von sozialdemokratischer Seite – seien ihr "zu verharmlosend", so Parteichefin Angela Merkel am späten Sonntagabend in der ARD-Talkshow "Sabine Chritiansen".
Die PDS sei eine Partei, "die letztlich davon lebt, dass die Deutsche Einheit nicht richtig gelungen ist". Die CDU-Vorsitzende vertrat die Auffassung, "dass manches einfacher gewesen wäre, wenn man es hinbekommen hätte, nicht die einfache Umgründung der SED zur PDS rechtsstaatlich möglich zu machen."
Der PDS-Spitzenkandidat im Hauptstadtwahlkampf, Gregor Gysi, sagte am Montag, er lehne eine Entschuldigung für den Bau der Mauer weiterhin ab. So etwas sei "ein bisschen albern".
Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) kritisierte die CDU für ihren Umgang mit der PDS im Berliner Wahlkampf scharf. "Ich habe etwas dagegen, dass man im zwölften Jahr der Einheit sozusagen die PDS dazu instrumentalisiert, gewissermaßen sie als Keule gegen die SPD benutzt", sagte Thierse. "Ich glaube, die CDU instrumentalisiert die PDS um ihrer eigenen Machterhalt Willen."
McNamara: Mauer "friedenssichernd"
PDS-Mauerbefürworter erhielten unterdessen einen unerwarteten Verbündeten, den ehemaligen US-Verteidigungsminister Robert S. McNamara, der von 1961 bis 1968 dieses Amt innehatte. Er bezeichnete den "antifaschistischen Schutzwall" als "friedenssichernd".
"Wir waren sehr, sehr dicht vor einem Krieg", sagte McNamara. Als kritischste Situation in dieser Zeit wertete NcNamara eine Phase wenige Monate nach dem Bau der Mauer im Januar 1962. "Die Sowjets haben versucht, West-Berlin der Nato zu entreißen." Damals hätten die sowjetischen Streitkräfte Stanniolpapier in den Luftkorridoren über Berlin abgeworfen, um die Versorgung West-Berlins durch die Westmächte zu unterbinden. "Damit West-Berlin abhängig wird und eingenommen werden konnte."
Wäre es wegen des Mauerbaus zu einem Krieg gekommen, wären hierbei nach Angaben von McNamara auch atomare Waffen eingesetzt worden. "Die Nato-Kriegspläne in dieser Zeit haben vorgesehen, dass bei einer militärischen Konfrontation zwischen der Nato und dem Warschauer Pakt ziemlich früh Kernwaffen eingesetzt werden sollten", so der Verteidigungsminister der Kennedy-Administration. "Ich glaube nicht, dass das deutsche Volk hätte Kernwaffen eingesetzt sehen wollen. Es wäre Selbstmord gewesen." (Quelle: Focus)
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